Wirkprinzipien

Regulationsmechanismen
Die Wirkung einer Massage beruht auf vielfältigen regulativen Vorgängen, die z.T. eng miteinander verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen können. Um das Geschehen verständlich zu machen, werden die wichtigsten Regulationsmechanismen einzeln dargestellt:

Grundregulation
Der örtliche Spannungszustand der Muskulatur und die Beweglichkeit der Gewebeschichten hängen wesentlich davon ab, wie gut sie vom umgebenden Bindegewebe versorgt werden. Die Qualität dieses Umgebungsmilieu wird durch vielfältige allgemeine Faktoren beeinflusst. So können sich z.B. Entzündungsreize, Ernährungsgewohnheiten mit viel Zucker oder Schweinefleisch und Störungen des Säure-Basen-Haushalts nachteilig auswirken. Dehnungsübungen und Umstellungen der Ernährungsgewohnheiten können sich entsprechend positiv auswirken.

Segmentaler und vegetativer Reflexbogen
Es gibt eine direkte nervliche Verbindung zwischen bestimmten Hautarealen, Muskeln und inneren Organen, die für jedes Segment der Wibelsäule charakteristsisch sind. So können bei Verspannungen im unteren Rücken oft Missempfindungen in Bein ziehen (Ischias) oder der Stoß am Ellenbogen (Musikantenknochen) führt zu einem Schmerz im kleinen Finger. Auf die gleiche Weise können Störungen der Niere oder des Dickdarms zu Rückenbeschwerden führen und umgekehrt kann eine sanfte Rückenmassage einen beruhigenden Reiz auf die gesamten Organe ausüben. Begleitend kommt es über das vegetative Nervensystem zu einer erhöhten oder verringerten Stressreaktion mit entsprechender Änderung von Durchblutung und Muskeltonus.

Gate-Control-Funktion
Im Rückenmark gibt es eine individuell unterschiedlich ausgeprägte Reizschwelle, die dazu führt, das normalerweise nur stärkere Reize an das Gehirn weitergeleitet werden (Gate-Control). Bei wiederkehrenden Reizen kommt es jedoch zur Absenkung der Reizschwelle mit entsprechend leichterer Weiterleitung (Bahnung). Auf diese Art können insbesondere Schmerzen immer stärker werden und sich bis hin zum Phantom-Schmerz verselbständigen mit entsprechender Störung des zugeordneten segmentalen Reflexbogens. Neue Reize (z.B. von Massagen, Akupunktur usw.) können über eine bevorzugte Weiterleitung die gebahnten Impulse dämpfen und so eine Stabilisierung der Reizschwelle im Rückenmark begünstigen.

Zentrale Verarbeitung
Zum Gehirn weitergeleitete Impulse lösen zunöchst im Hirnstamm ene unwillkürliche Reaktion der vegetativen Zentren für Kreislauf- und Atmungsregulation aus und beeinflussen die Auschüttung von Stress- und Glückshormonen. Im Zwischenhirn kommt es zu einer emotionalen Färbung der Wahrnehmung. In der Hirnrinde können wir die Impulse schließlich bewusst wahrnehmen. Fast immer kommt es dabei auch zu einer sofortigen (halbbewussten) mentalen Bewertung, evt. Verbunden mit zustimmenden oder abwehrenden Reaktionen. Diesen letzten Teil der Regulation mit mentaler Bewertung und Reaktionsbildung kann man willentlich beeinflussen. Mit Wachsamkeit und Übung (z.B. durch meditative Schulung) können sich enorme positive Veränderungen entwickeln.

Wirkpinzipien
Die Wirkung einer Massage beruht auf vielfältigen regulativen Vorgängen, die z.T. eng miteinander verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen können. Um das Geschehen verständlich zu machen, werden die wichtigsten Wirkprinzipien einzeln dargestellt.

Mechanische Effekte
Die Bewegung der Hände bewirkt eine Verschiebung der Gewebeschichten gegeneinander und führt dazu, dass sich Verklebungen im Gewebe lösen können (Mobilisierung). Außerdem wird die Haut besser durchblutet und es kommt zu einem verstärkten Lymphabfluss.

Biochemische Effekte
Massagen lösen einen Reiz auf Zellwände und das umgebende Bindegewebe aus. Je nach Intensität führen sie zu minimalen(!) Verletzungen und stimulieren die örtliche Freisetzung von Entzündungsstoffen wie Histamin und Prostaglandinen. Zusätzlich werden opiatähnliche Substanzen (Endorphine) und Nervenüberträgerstoffe wie Serotonin mit angstlösender und schmerzhemmender Wirkung vermehrt ausgeschüttet.

Reflektorische Effekte
Stimulierungen von Druck- und Dehnungs-Rezeptoren in Haut, Muskeln und Gelenken werden über schnell leitende Nervenfasern zum Rückenmark weitergeleitet und dort bevorzugt zum Gehirn umgeschaltet. Sie blockieren dadurch andere Reize und bewirken eine Schmerzhemmung und eine Aktivitätsminderung des sympathischen Nervensystems.

Psychogene Effekte
Wenn die Wirkung einer Massage positiv erlebt wird, kommt es zu einer Verstärkung über die vegetativen und emotionalen Schaltzentren im Gehirn. Dadurch kann der Spannungszustand der Muskulatur weiter absinken und die Ausschüttung von Stresshormonen wird vermindert. Außerdem können sich Angstgefühle lösen und Verstimmungen aufhellen, so dass insgesamt ein "wohliger" Allgemeinzustand empfunden wird.